CLE 250, Streaming-Client im Studio Gehäuse

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Warum dieser Umbau?
Nachdem ich bei meiner Wohnzimmer-Anlage vor einiger Zeit den Schritt zurück von der Atelier-Serie hin zu einer Kombination aus CE 1000, CSV 500 und PS 500 gegangen war, erhob sich die Frage, wie ich zukünftig Zugriff auf meine CD-Sammlung habe.

Zunächst hatte ich daran gedacht einen CD-Player in ein passendes Gehäuse zu integrieren.
Nach meinen Erfahrungen mit dem DVD-Umbau für die Atelier-Serie habe ich dieses Vorhaben, wegen des großen mechanischen Aufwands, aber ad acta gelegt.
Schnell gingen die Überlegungen deswegen in Richtung eines Streaming-Client. Auf diesem Weg hätte ich, neben meinen lossless komprimierten CDs auch auf Titel, die im MP3-Format vorliegen und Internetradio-Stationen Zugriff.

Squeezebox
Nach ein wenig Recherche zum Thema im Internet bin ich auf die Logitech Squeezebox Classic gestoßen, die ich für einen guten Mittelweg zwischen audiophilem Anspruch und Preis halte.

squeezebox

Auch wegen ihres mechanischen Aufbaus eignet sie sich gut für ein solches Projekt.
Ich habe wohl eins der letzten Exemplare ergattert, denn zwischezeitlich wird sie leider nicht mehr hergestellt.

Zwar war ich zunächst skeptisch, da mir Logitech bislang nur als Hersteller von Mäusen und "Brüllwürfeln" für den PC bekannt war, fast durchweg positive Beurteilungen in den einschlägigen HiFi-Foren, ließen dann aber die Überzeugung wachsen, das richtige Gerät gefunden zu haben.

Gehäuse und Aufbau
Als Gehäuselieferant kam hauptsächlich ein defekter CE 250 zum Einsatz. Aufgrund des schlechten Zustands des Gerätes stammt die Haube aber von einem CE 500.

Der CE 250 bietet sich, wegen des vorhandenen Ausschnitts für die Senderskala und der ansonsten geringen Anzahl von Öffnungen in der Frontplatte, für diesen Umbau an.

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Nachdem das Gehäuse von den Innereien befreit war, ging es an die Planung der Aufteilung der neuen Komponenten im Gehäuse. Wobei "Planung" hier ein großes Wort ist, denn im reichlich bemessenen Gehäuse muss neben der Squeezebox selbst, lediglich noch das neue Netzteil und die Verzögerungsschaltung für das Display untergebracht werden (hierzu weiter unten mehr).

Die Platine der Squeezebox findet natürlich hinter der Frontplatte ihren Platz.
Sie wird auf das dort angeordnete Zwischenblech montiert. Zunächst werden jedoch die Befestigungswinkel für die Skalenbeleuchtung und die Stereo Anzeige entfernt. Auch das abgewinkelte Blech, an dem der Drehkondensator befestigt war, wird entfernt.
Weiterhin muss im Zwischenblech noch ein Ausschnitt für die Anschlüsse der Squeezbox angebracht werden.

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Alle Schnittstellen wurden sauber mit der Feile entgratet und nachverzinkt.
Zum Schluss müssen noch vier Löcher zur Befestigung der Platine so angebracht werden, dass diese später in der Mitte hinter dem Displayglas sitzt.
Da zwei dieser Löcher direkt vor dem oberen Gehäuserahmen liegen, müssen in diesem Rahmen ebenfalls zwei so dimensionierte Bohrungen angebracht werden, dass sie die Schraubenköpfe aufnehmen können.
Die Montage der Platine erfolgt dann mit vier 25mm M3 Abstandsbolzen aus Kunststoff.

Da mein CLE 250 als einziges Bedienungselement am Gehäuse einen Netzschalter aufweist, mussten die überzähligen Öffnungen verschlossen werden. In die Vertiefung für den Abstimmknopf wurde hierzu zunächst ein passend zurecht geschnittenes Stück Alublech eingeklebt. Die übrigen Bohrungen wurden von hinten ebenfalls mit einem Alublech verklebt.

Entgegen dem ursprünglichen Entwurf blieb auch die grüne (Stereo-) Anzeige in der Mitte der Frontplatte erhalten. Allerdings wurde sie durch eine plane 5mm LED ersetzt und dient nunmehr als Indikator dafür, ob das Gerät eingeschaltet ist.
Der Grund hierfür ist, dass es durch die Verzögerung der Anzeige im Display ansonsten keine direkte visuelle Rückmeldung über den Betriebszustand des Geräts nach dem Einschalten gäbe.
Die LED ist in der Frontplatte verklebt und über einen entsprechenden Vorwiderstand mit dem Betriebsspannungsanschluss der Squeezebox verbunden.

Als nächstes wurden die verbleibenden Lücken mit Glasfaserspachtel verschlossen. Zunächst mit Füll-, dann mit Feinspachtel. Zwischen den einzelnen Arbeitsgängen wurde die Oberfläche grob mit 400er Schleifpapier geglättet und zum Abschluss mit 600er Schleifpapier fein geschliffen.

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Druck und Lackierung habe ich professionell ausführen lassen, da nur so ein ansprechendes Ergebnis möglich ist.

Statt der Skalenscheibe wird in der Frontplatte eine 3mm starke Plexiglasscheibe verbaut. Zunächst wollte ich diese samt den erforderlichen Rundungen ausfräsen lassen. Dies erwies sich jedoch als relativ kostspielig, weswegen ich mir einfach eine rechteckige Scheibe mit den Maßen 226x35 mm habe schneiden lassen. Die Rundungen wurden dann zunächst mit 240er Schleifpapier grob hergestellt und dann mit 400er Papier exakt eingepasst. Hier sollte man, wenn man selbst ein ähnliches Projekt umsetzen möchte, sehr sorgfältig arbeiten, damit kein unschöner Spalt entsteht.

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Das von mir verwendete Material ist Plexiglas GS grau transparent 7C14. Es hat eine Lichtdurchlässigkeit von ca. 50%. Da das VFD der Squeezebox sehr hell ist, könnte die Lichtdurchlässigkeit aber auch noch etwas gringer sein.
Verklebt wurde die Scheibe dann am innen überstehenden Rand mit Patex Repair Extreme.
Hinter der Plexiglasscheibe folgt dann die Platinenabdeckung aus schwarzem Karton.

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Da es recht schwierig ist, hier einen exakten Ausschnitt für das Display herzustellen, habe ich auf ein auf Maß geschnittenes Passepartout für Bilderrahmen zurückgegriffen.
Zusätzlich mussten dann nur noch die Befestigungslöcher, die Ausklinkungen für die Befestigungswinkel der Frontplatte und den Netzschalter, sowie ein Loch für den Infrarotsensor der Fernbedienung angebracht werden. Dieses Loch ist von einem Kunststoffring eingefasst. Hier habe ich ein umgedreht eingebautes Inlay einer Atelier Frontplatte verwendet.

Auf der Rückseite der Platinenabdeckung ist dann ein Farbfilter befestigt, mit dem die Displayfarbe so angepasst wird, dass sie zu den anderen Studio Geräten passt. Bewährt haben sich hier Farbfolien der Firma Lee aus der Bühnentechnik. Diese sind leicht zu bearbeiten und UV beständig.

Platinenabdeckung und Farbfilter werden an den Winkeln befestigt, die ursprünglich für die Streuscheibe hinter der Skala und die Befestigung der Führungsstäbe der Zeiger des CE 250 gedacht waren.
Hierzu muss jedoch der linke Winkel so weit nach außen versetzt werden, dass er den gleichen Abstand zum äußeren Rand des Zwischenblechs hat wie der rechte.

Die Anschlüsse des Geräts sollten natürlich stilecht im Boden platziert werden.
Neben dem Audio Ausgang habe ich nur den LAN und einen der WLAN Anschlüsse herausgeführt. Auf digitale Ausgänge und den, bei der Squeezebox ebenfalls vorhandenen Kopfhörerausgang habe ich verzichtet.

Für den Audio Ausgang wird an gleicher Stelle wie beim CE 250 eine fünfpolige DIN Buchse verbaut. Diese ist hier jedoch mit dem Gehäuse verschraubt und nicht auf einer Platine verlötet.
Direkt daneben wird ein rechteckiger Ausschnitt für eine Keystone Durchführungsbuchse für den LAN Anschluss angebracht. Aufgrund der geringen Maße des Anschlussfelds kann die Buchse nur quer eingebaut werden.

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Als etwas problematisch erwies sich die Beschaffung des Anschlusskabels für die externe WLAN Antenne.
Diese sogenannten "UFL Hirose / IPX to RP-SMA Female Bulkhead Pigtails", sind in der erforderlichen Länge von 50cm in Deutschland kaum zu beschaffen. Es gibt zwar die Möglichkeit, ein entsprechendes Kabel konfektionieren zu lassen, die Kosten hierfür belaufen sich aber auf annähernd 50,-€.
Eine günstigere Quelle fand sich schließlich über ebay bei einem Händler in Shen Zhen. Das entsprechende Kabel ist hier incl. Versand für 5,50$ zu haben. Die Abbildung zeigt ein solches Kabel allerdings in 20cm Länge.

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Zum Schluss wurde noch die etwas ramponierte Bodeplatte des Spendergehäuses entrostet, grundiert und lackiert.

Netzteil
Im Gegensatz zum externen Steckernetzteil der Squeezebox sollte bei meinem Umbau ein internes Netzteil Verwendung finden, das sich über den Netzschalter komplett vom Netz trennen lässt.
Hier habe ich auf das Netzteilmodul HB5-3/OVP-A von Power-One zurückgegriffen. Mit 3A kann es einen etwas höheren Strom liefern, als die eigentlich erforderlichen 2A.
Ähnliche Module gibt es auch von anderen Herstellern.
Da diese in Deutschland recht teuer sind, kann es sich je nach $-Kurs lohnen, in den USA danach zu suchen. Ich habe über ebay incl. Versand keine 25,-€ dafür bezahlt.
Beim Import aus den USA ist aber in jedem Fall darauf zu achten, dass die primärseitigen Drahtbrücken am Trafo von 110V auf 230V geändert werden und die Spannungsversorgung über die richtigen Klemmen erfolgt. Die entsprechenden Angaben finden sich sowohl in der Bedienungsanleitung, als auch auf dem Netzteil selbst. Weiterhin ist primärseitig eine Schmelzsicherung vorzusehen.

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Bei der Verlegung der Netzzuleitung habe ich mir eine kleine Reminiszenz an den CE 250 erlaubt. Diese ist dem Originalgerät entsprechend in einem Abschirmgeflecht geführt.

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Startanimation der Squeezebox
Leider zeigt die Squeezebox beim erstmaligen Verbinden mit der Versorgungsspannung eine nicht sonderlich ansprechende Animation bestehend aus dem Logitech-Logo und einem kurzen (Werbe-)Text an.
Das originale Steckernetzteil versorgt die Squeezebox permanent mit 5V Betriebsspannung, weswegen das nicht wirklich stört. Die Animation ist so nur dann zu sehen, wenn der Netzstecker gezogen und wieder eingesteckt wird.
Eine permanent anliegende Betriebsspannung sollte bei meinem Umbau natürlich vermieden werden. Stattdessen sollte ein "echter", primärseitiger Netzschalter verwendet werden.
Hierdurch wäre die erwähnte Animation dann aber bei jedem Einschalten zu sehen gewesen.

Da ich bislang keine Möglichkeit gefunden habe in die Firmware der Box einzugreifen, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht, die Animation zu unterbinden.
Diese ergab sich schließlich daraus, dass das Display der Box ein so genanntes VFD ist, das nach dem Prinzip einer Röhre arbeitet.

Im Datenblatt des Displays fand sich der Hinweis, dass die Anodenspannung immer erst nach der Heizspannung angelegt und vor dieser getrennt werden muss.
Was lag also näher, als die Anodenspannung erst dann aufzuschalten, wenn die störende Animation beendet ist?

Hierzu habe ich eine simple Zeitschaltung auf Basis des NE555 verbaut, die diese Aufgabe übernimmt.
Da ich die Schaltung weder auf einer Lochrasterplatine aufbauen, noch den Aufwand des Ätzens der Platine betreiben wollte, habe ich auf einen Bausatz der Firma Smartkit Elektronik zurückgegriffen.
Hiervon wurde aber nur die Platine und der NE555 verwendet. Relais, Einstellregler und Kondensatoren mussten, wegen der geringeren Betriebsspannung von 5V statt 12V, entsprechend angepasst werden.

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Die Unterbrechung der Anodenspannung erfolgte an den Lötpunkten der parallel geschalteten Widerstände R49 und R51 auf der Hauptplatine der Squeezebox. Hierzu wurden die beiden Widerstände entfernt und durch eine zweipolige Stiftleiste ersetzt.

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Statt der beiden 44,2 Ohm Widerstände wurde ein 22 Ohm Metallfilmwiderstand auf der Unterseite der Platine der Zeitschaltung vorgesehen.
Auf der Platine findet auch eine zusätzliche Diode 1N4002 ihren Platz. Im Datenblatt des VFD ist eine solche Schutzdiode vorgesehen, in der Squeezebox aber nicht verbaut.

Die Stromversorgung der Zeitschaltung wird direkt am Anschluss für die Betriebsspannung der Squeezebox abgegriffen.

Befestigt wurde die fertige Schaltung schließlich auf der Rückseite des Zwischenblechs.

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Fazit
Der CLE 250 ist ein Projekt, das sich - abgesehen von ein paar kleineren Tücken bei der Materialbeschaffung - als recht einfach umzusetzen erwiesen hat.
Das Gerät erfüllt seine Aufgabe, digitale Musikkonserven im Umfeld der über 40 Jahre alten Studio Anlage verfügbar zu machen, sehr gut und vor allem unauffällig.

Zum Abschluss hier noch zwei Bilder vom fertigen Gerät (Das Bild am Anfang dieses Beitrags ist lediglich eine Fotomontage).

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